Pfarrei Auw

  • Geschichte der Pfarrei

    Die Sage von den „Drei Jungfrauen von Auw” verlegt die Anfänge des Ortes und der Marienkirche im Kylltal in die Zeit des Frankenkönigs Dagobert I. (+ 638/39). Urkundlich begegnet der Ort „Ouwe” uns erstmals in einem Besitzverzeichnis der Abtei St. Maximin in Trier aus dem 12. Jahrhundert. Wie aus der Höhe der Besteuerung hervorgeht, war sie eine halbselbstständige Kirche, die dabei war, sich aus einer älteren Großpfarrei (wahrscheinlich St. Martin Schleidweiler) herauszulösen. In der Folgezeit wurde Auw Pfarrort für die zum Kloster St. Maximin gehörenden Ortschaften Auw, Hosten und Wellkyller Mühle. Damals bestand der Pfarrort nur aus drei Gebäuden: Kirche, Pfarrhaus und „Maximinerhof”. Zur Pfarrei gehörten Hosten und Wellkyll.

    Die Marienkirche von Auw wurde um diese Zeit schon von auswärtigen Gläubigen aufgesucht, besonders an den Marienfesten. An jedem Samstag wurde die Muttergottesmesse gefeiert. Zur eigentlichen Wallfahrtskirche wurde die Pfarrkirche aber erst, als 1712 dort eine Marien­bruder­schaft entstand. Pfarrer Nikolaus Dichter (1709-1752) rief sie am 2. Juli (Mariä Heimsuchung) 1712 ins Leben unter dem Titel „Maria, Zuflucht der Sünder”. Das damals angelegte Bruder­schaftsbuch mit den Namen der Mitglieder, die sich beim Besuch der Wallfahrtskirche ein­schreiben ließen, ist noch vorhanden. Am 13. Dezember 1714 trug sich auch der damalige Trierer Erzbischof und Kurfürst Karl von Lothringen ein und empfahl sich den Gebeten der Wallfahrer. Der Ort wurde durch angebliche Teufelsaustreibungen und auffällige Gebets­erhörungen schnell bekannt. Am 4. Juli 1735 wurde ein blinder Pilger aus Lampaden (Hochwald) geheilt. Bis heute wird „die Muttergottes von Auw” besonders bei Augenleiden angerufen. Am „Krautwischtag” (Sonntag nach Mariä Himmelfahrt), dem Haupt­wallfahrtstag, wird das „Augenwasser” gesegnet.

     Das bekleidete Gnadenbild stand ursprünglich in der Mittelnische des Hochaltars. Heute gilt die aus dem 18. Jahrhundert stammende Figur der Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Muttergottesaltar als Gnadenbild. Es wird am „Krautwischtag” in feierlicher Prozession, mit Moseltrauben aus Bernkastel-Kues geschmückt, durch den Ort getragen.

    Um die Mitte des 18. Jahrhunderts blühte die Wallfahrt. Prozessionen kamen nicht nur aus der Umgebung, sondern sogar aus der Nordeifel (um St. Vith) und aus dem Hunsrück (um Mor­bach), hauptsächlich aber aus dem Luxemburgischen und aus den Weinorten von Mosel, Saar und Ruwer. Die Prozessionsverbote der Aufklärungszeit und die religionsfeindliche französische Revolutionsherrschaft (nach 1794) ließen die Wallfahrt sehr zurückgehen. In der französischen Zeit kam Auw als ehemals luxemburgische Pfarrei zum Bistum Metz. In dieser Zeit gehörte auch Trimport als Filiale zu Auw. Als 1821 das Bistum Trier in seinen heutigen Grenzen errichtet wurde, kam Auw wieder zu Trier.

    Die Geschichte der eigenständigen Pfarrei Auw endete mit dem Weggang des letzten Pfarrers (2004). Das Pfarrhaus (1764/1785) wurde 2005 verkauft. Auw wurde Teil der Seelsorgeeinheit Auw-Idenheim-Sülm.

    Seit 2013 gehört die Pfarrei zur Pfarreiengemeinschaft Speicher im Dekanat Bitburg.

  • Die Pfarrkirche

    Eine Kirche wird bereits um 1330 erwähnt. Die Pfarrkirche hatte Maria zur Patronin, wie es die Visitationsakten von 1570 bezeugen. Der große Pilgerzustrom aus dem Trierer und Luxemburger Land führte dazu, dass die Kirche 1738/39 völlig neu, größer und schöner, erbaut wurde. Baumeister waren die Brüder Sieberger aus Dudeldorf, deren Vorfahren aus Tirol stammten. Die Wallfahrtskirche erhielt eine wertvolle spätbarocke Ausstattung mit drei Altären.

  • Filialkirche Preist

    Das große Dorf Preist, wo eine der hl. Cäcilia geweihte Kapelle auf dem Friedhof stand, wurde abwechselnd von den Pastören von Auw und Schleidweiler betreut. In der ersten Hälfte des Jahres hielt der Pfarrer von Auw dort alle 14 Tage eine Werktagsmesse, in der zweiten Jahreshälfte übernahm das der Pastor von Schleidweiler. Weil Preist nahe bei Auw liegt, wurde der Ort 1688 auf Dauer Filiale von Auw.

  • Filialkirche Hosten

    Hosten bekam 1876 erstmals eine Kapelle (Josef), die nach Umbau und Erweiterung am 11.10.1953 durch Weihbischof Bernhard Stein geweiht wurde.

Literatur:

Ph. de Lorenzi, Pfarreien, I, S. 125f.; F. Pauly, Kyllburg-Bitburg, S. 132-136; Handbuch 1952, S. 295f.;
A. Heinz, 250 Jahre Pfarr- und Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt” in Auw an der Kyll, in: HK Bitburg-Prüm 1988, S. 52-58;
A. Heinz, Aus der Geschichte des Ortes Preist, in: HK Bitburg-Prüm 1990, S. 121-125;
A. Heinz, Die Kapelle der Wellkyller Mühle, in: HK Bitburg-Prüm 2010, S. 109-117.

Fotos:

Johannes Blum