Pfarrei Herforst

  • Geschichte der Pfarrei
  • Die Pfarrkirche

Die Geschichte von Herforst als eigenständiger Pfarrei beginnt erst 1803. Vorher war das Dorf Filiale von Speicher. Als Herengaresvorst beziehungsweise Hergersforst taucht der Ort erstmals in zwei Urkunden von 1261 auf. Ein Johann von Hegersforst ist 1299 bezeugt. Der Name bezeichnet demnach ein Waldgebiet, das einem gewissen Herger gehörte. Der mundartliche Ortsname „Herbischt” (Besch = Wald) weist in die gleiche Richtung. Herforst dürfte als hochmittelalterliche Rodungssiedlung entstanden sein.

Über die kirchlichen Verhältnisse unterrichten uns erstmals die Akten der Visitation von 1569. Der Pastor von Speicher feierte in dieser Kapelle alle 14 Tage eine Werktagsmesse, wofür er jährlich drei Malter, teils Brotfrucht, teils Hafer, als Lohn erhielt. Obwohl die Akten den Kapellenpatron nicht nennen, dürfte es damals schon der hl. Eligius gewesen sein. Als solcher wird er bei den Visitationen des 17. Jahrhunderts (1654 und 1688) bezeichnet, die den Filialort von Speicher Herberscheidt beziehungsweise Herberst (= Herbischt) nennen. Nur in der Pfarrkirche wurde damals getauft und geheiratet. Nur dort wurde an Sonn- und gebotenen Feiertagen die gemeinsame Pfarrmesse gefeiert, zu der auch die Leute aus den Filialen erscheinen mussten. Für die Herforster war der Kirchweg nach Speicher weit und bei schlechter Witterung sehr beschwerlich. So ist es verständlich, dass das Dorf sich bemühte, einen Seelsorger anzustellen, der im eigenen Dorf die Sakramente spendete und in der Dorfkapelle die Messe las. Gegen den Willen des Pastors von Speicher gelang das in Herforst um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Als erster im Ort ansässiger Vikar ist 1757 ein Priester namens Nikolaus Thull nachzuweisen. 1783 übernahm ein Neupriester namens Thomas Billen, der vom Irscher Hof bei Bitburg stammte und bei seinem Onkel, dem Pastor von Arenrath, wohnte, die „Frühmesser”-Stelle in Herforst. Er ging 1791 als Pfarrer nach Blankenheim,  wurde danach Regens des Trierer Priesterseminars und war zuletzt Domdechant in Trier. Nach seinem Weggang bemühte sich die Gemeinde, vom Erzbischof einen ständigen Vikar ernannt zu bekommen. Obwohl man zusicherte, ihm ein Haus mit Garten zu stellen und für sein Einkommen zu sorgen, scheiterte der Vorstoß am Einspruch des Pastors von Speicher, der Herforst nicht verlieren wollte.

In der Zeit der französischen Herrschaft (1794-1814) kam Herforst als ehemals luxemburgischer Ort mit der Mutterpfarrei Speicher zum Bistum Metz. In der neuen Pfarrorganisation von 1803 bekam Herforst den Rang einer Sukkursalpfarrei im Kanton Dudeldorf. Der erste Pfarrer hieß Nikolaus Leyder (aus Säul bei Arlon). Ihm folgte 1812 Johann Baptist Richard, der aus Arlon stammte und bis zur Auflösung der Abtei Echternach dort Mönch gewesen war. Er war danach zuerst Pfarrer von Rosport/Sauer. Nach seiner Tätigkeit in Herforst (1812-1818), das er wohl wegen des zu geringen Einkommens verließ, kam er als Pastor nach Ralingen, wo er 1827 starb. An den dritten Pfarrer von Herforst, Johann Beheim aus Irrhausen (1818-1855), erinnert der Priestergrabstein an der Außenmauer der Kirche. Unter ihm wurde die heutige Pfarrkirche erbaut. Da die Bevölkerung sich innerhalb von 30 Jahren fast verdoppelt hatte (1786: 250; 1818: 406) war die alte Eligius-Kapelle heillos überfüllt.

Von 1971 bis 1998 gehörte die Pfarrei Herforst zum Dekanat Speicher und ab 01.09.1998 zum neu gegründeten Dekanat Kyllburg-Speicher. Eine weitere Neuordnung der Dekanate erfolgte mit dem im Jahre 2002 eingeleiteten Reformprozess. Seit dem 01.04.2004 gehört Herforst als Seelsorgeeinheit mit den Pfarreien Binsfeld, Spangdahlem und Speicher zum Dekanat Bitburg. Nach Inkrafttreten des Strukturplanes 2020 im Bistum Trier gehört Herforst seit dem 01. September 2011 zur Pfarreiengemeinschaft Speicher.

1569 stand in „Hervorst” eine Kapelle. Darin befand sich ein Altar; ein Kelch war vorhanden. Ein Neubau der Kapelle hat 1729 stattgefunden. Um sie lag der Friedhof. 1832 erweiterte man sie um einen Anbau, den Bischof Josef von Hommer am 25. November 1832 einweihte. Doch noch immer war die Kirche zu klein, so dass 1839 das größere Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt errichtet wurde. Neben dem hl. Eligius erhielt es die hl. Vierzehn Nothelfer zu Nebenpatronen. Sie werden alljährlich am Herforster Nothelferfest (3. Ostersonntag) besonders geehrt.

Ihre um den Altar gruppierten Figuren sind das kostbarste Stück der Innenausstattung. Herforst hat die 14 Nothelfer vor 1818 aus der in französischer Zeit versteigerten Frohnert-Kapelle bei Oberkail erworben. Der Sakramentsaltar im Chorraum, in dessen Mittelnische heute die 1822 angeschaffte Statue der „Luxemburger Muttergottes” steht, wurde 1824/25 errichtet. Neben der Kirche wurde um 1900 eine Lourdes-Grotte angelegt.

Literatur:

Ph. de Lorenzi, Pfarreien, I, S. 311f.; Handbuch 1952, S. 624f.; K. E. Becker, Speicher, 1981, S. 373-399; A. Heinz, Kulturkampf in der Westeifel, in: HK Bitburg-Prüm 1991, S. 103-107; H. Casel/F. Steil, In Gottes Namen unterwegs, Trier 1987, S. 62f.

Foto:

Fachverlag für Kirchenfotografie, EK Service, Saarbrücken