Pfarrei Speicher

  • Geschichte der Pfarrei
  • Die Pfarrkirche
  • Glocken
  • Orgel

Speicher ist heute der Mittelpunkt der gleichnamigen zehn ehemals selbstständige Pfarreien umfassenden Pfarreiengemeinschaft. Patrone der Pfarrkirche sind die Apostel Philippus und Jakobus (3. Mai). In römischer Zeit lag der Ort inmitten der riesigen, ummauerten, landwirtschaftlich genutzten Domäne nördlich der Kaiserstadt Trier (Langmauerbezirk). In und um Speicher gab es Töpfereien. Unter der Voraussetzung, dass die dortige Siedlung nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft im Trierer Land von Franken bevölkert wurde, könnte dort eine frühe Taufkirche des Bistums gegründet worden sein. In diesem Fall würden die Anfänge der Pfarrei bis in die merowingische Zeit zurückreichen. Bisher sind aber keine fränkischen Siedlungspuren entdeckt worden. Es ist deshalb eher anzunehmen, dass nach dem Ende der Römerherrschaft die Siedlung unterging und das Gebiet von Wald bedeckt wurde. Speicher wäre dann eine mittelalterliche Rodungssiedlung. Urkundlich wird der Ort („villa, quae dicitur Spichera”) 1136 erwähnt (Schenkungen an das Trierer Domkapitel). Um 1330 ist die Pfarrkirche bezeugt.

Die Visitationsakten von 1569 nennen erstmals Philippus und Jakobus ausdrücklich als Patrone der Pfarrkirche. In ihr standen drei Altäre; auch waren drei Kelche und eine Monstranz vorhanden. Der jeweilige Domdechant in Trier bezog ⅔ des Zehnten und hatte das Recht, den Pfarrer zu benennen. Dieser erhielt für seinen Dienst ⅓ des Zehnten, was jährlich etwa 20 Malter erbrachte, teils Brotfrucht, teils Hafer. Ferner stand ihm das Pfarrhaus mit Garten zur Verfügung; dazu sieben Morgen Ackerland. In den Filialorten Beilingen und Herforst musste der Pfarrer von Speicher jeweils alle 14 Tage eine Werktagsmesse halten, wofür er in Beilingen einen Wagen Heu bekam. In dem entlegeneren Herforst betrug die Vergütung jährlich drei Maler Getreide, teils Brotfrucht, teils Hafer. Von Speicher abhängig waren auch die Kirchen in Metterich und Dudeldorf, wo aber normalerweise ein am Ort wohnender und vom Pfarrer in Speicher zu bezahlender Vikar als Seelsorger tätig war. Ein 1700 in Luxemburg ergangenes Urteil bestätigte den Pastor von Speicher als eigentlichen Pfarrer von Metterich (mit Erdorf und Hüttingen).

Speicher gehörte wie fast das ganze Bitburger Land zum Herzogtum Luxemburg. Die Pfarrei kam deshalb 1725 zu dem die luxemburgischen Eifelpfarreien umfassenden Dekanat Bitburg. Luxemburger Jesuiten hatten 1683 die Christenlehrbruderschaft eingeführt. Damals bestand schon die wohl bis ins Spätmittelalter zurückreichende Töpfer-Bruderschaft, die ihre Sondergottesdienste 1712 am Kreuzaltar feierte. Der damals an der Pfarrkirche angestellte Frühmesser oder Kaplan hielt auch die in der 1698 errichteten Kreuzkapelle gestifteten Messen. Die heutige Kapelle wurde 1777 weiter östlich neu erbaut. Im 18. Jahrhundert hatten Beilingen und Herforst außer der 14-tägigen Werktagsmesse Festgottesdienst an Johannes Baptist und Evangelist (Beilingen) sowie an Eligius und Kreuzerhöhung (Herforst). Bei der Visitation von 1772 wurde festgestellt, dass die Pfarrkirche viel zu klein und ganz baufällig war. 1773 ließ das Domkapitel einen Neubau errichten. Die heutige Pfarrkirche wurde 1895/96 erbaut und am 12. Juli 1899 von Weihbischof Karl Ernst Schrod konsekriert.

Große Veränderungen ergaben sich nach dem Untergang der alten Ordnung infolge der Französischen Revolution. Speicher wurde 1803 Kantonspfarrei des Kantons Dudeldorf im Bistum Metz. Dudeldorf, Herforst und Metterich wurden eigenständige Pfarreien. Zur Pfarrei Speicher gehörten weiterhin Beilingen, Bermeshausen, Speicherer Mühle und Laymühle. Auf dem Comeshof wurde 1861 die dortige Matthiaskapelle eingeweiht. Nach der Rückkehr der Pfarrei zum Bistum Trier war der legendäre „Speicherer Här” Johann Jakob München aus Dudeldorf erster Pastor (1817-1858).

Zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gehörte Speicher zum Dekanat Ehrang. Von 1971-1998 bestand das Dekanat Speicher. Es wurde dann ein Dekanat Kyllburg-Speicher mit 19 Pfarreien gebildet. Seit 2004 bildete die Pfarrei eine Seelsorgeeinheit mit Binsfeld, Herforst und Spangdahlem und gehört zum Dekanat Bitburg mit 51 ehemals selbstständigen Pfarreien.

Seit dem 01. September 2011 ist Speicher Zentralort der neu errichteten Pfarreiengemeinschaft Speicher.

Die erste Pfarrkirche wird schon in der "Taxa Generalis" von 1330 genannt und in einem Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1569.
Diese kleine Kirche oder Kapelle musste dem Neubau von 1774 weichen, denn bereits 1757 stellte man fest, dass die Kapelle den Anforderungen nicht mehr entspricht.Sie war zu klein und baufällig.
Aus diesem Grunde musste das Domkapitel 1773 eine neue Kirche planen und bauen lassen.
Diese war 32 m lang und 12 m breit, hatte eine Holzdecke ohne Gewölbe und an jeder Seite fünf einfache Glasfenster.

Mit dem Bau der heutigen Pfarrkirche wurde 1895 begonnen, nachdem das 1774 erbaute Gotteshaus, dessen Turm schon mehreren Kirchen vorher gedient hatte, baufällig war.
Der Trierer Dombaumeister Wirtz erhielt zunächst den Auftrag zur Ausarbeitung eines Bauplanes.
Besonders die jungen Speicherer setzten sich für den Bau einer neuen Kirche ein, nach dem die Meinungen, ob die alte Kirche renoviert oder eine neue Kirche gebaut werden sollte, auseinander gingen. Nach vielen Gesprächen einigte man sich für den Neubau.
1895 erhielt der Kirchenbau-Unternehmer J. Moritz aus Müden/Mosel den Auftrag, die Kirche zu bauen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. Oktober 1895. Ein Jahr später, am 23.11.1896 wurde das Allerheiligste aus der Notkirche in das neue Gotteshaus überführt.
Die Konsekrierung durch Weihbischof Schrod erfolgte am 12. Juli 1899. In den folgenden Jahren wurde die Kirche verputzt und ausgemalt. Das  Gotteshaus wurde im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe und Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Erst 1949 konnte mit der Erneuerung und dem Wiederaufbau begonnen werden. Mit der Konsekration des neuen Zelebrationsaltars durch Weihbischof Kleinermeilert am 27. September 1992 fanden die letzten Renovierungsarbeiten ihren Abschluss.
Beeindruckend sind die kunstvoll gestalteten Kirchenfenster sowie die 15 Stationen des 1962 geschaffenen und aus Speicherer Ton gebrannten Kreuzweges.

Die Filialkirche Beilingen

Schon im 16. Jahrhundert muss in Beilingen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kleine Kapelle , die dem Hl. Johannes geweiht war, gestanden haben.
Bereits 1713 wird von einem Teilneubau dieser Kapelle berichtet (BAT). Sie war der Pfarrei Speicher  zugeordnet (1777).
Im Jahre 1854 beschloss der Gemeinderat eine neue Kirche zu errichten. Mit dem Neubau wurde 1855 ein Bauunternehmer aus Röhl beauftragt.
Die Orts- und Kirchengemeinde befassten sich 1982 mit der Renovierung der Filialkirche. Mit der Benediktion des neuen Altares fand diese dann 1989 ihren Abschluss.

Das heutige Glockengeläut in der Pfarrkirche Speicher und in der heiligen Nacht 1947 das erste Mal erschallte, ist ein harmonisches „Per omnia-Geläute“ –  Motiv d-f-g-b:

St.-Johannes-Glocke, 8 Zentner, geweiht am 19.10.1947
Inschrift: Heiliger Johannes, schütze Leut und Land, den Hirten und die Herde


St.-Nikolaus-Glocke, 14 Zentner, geweiht am 19.10.1947
Inschrift: Durch Sturm und Riff lenk unser Schiff, zum seligen Strand, zum Heimatland,
zum Vaterhaus, St. Nikolaus


St.-Michael-Glocke
,  22 Zentner, geweiht am 19.10.1947
Inschrift: Alle, die Gott zugetan, lenke du doch Himmel an!


St.-Marien-Glocke, 42 Zentner, geweiht am 14.12.1947
Inschrift: Maria, König des Friedens, heiße ich, den Frieden der Welt erflehe ich,
den Frieden der Herzen erbete ich, zum ewigen Frieden geleite ich dich.

 

Die Glocken wurden in der Bronze Glockengießerei August Mark & Sohn, Brockscheid gegossen.

 

 

Das Geläute

Im Jahre 1903 erhielt die Pfarrkirche Speicher die heute noch vorhandene 2manualige und mit einem Pedalwerk ausgestattete Klais-Orgel, erbaut von der  gleichnamigen Firma Johannes Klais in Bonn. Nach Instandsetzungen 1944/45 und einer Generalrestauration 1991/92 durch die Erbauerfirma ist die Orgel mit der noch original erhaltenen pneumatischen Traktur, den Kegelladen und der nahe zu originalen Disposition im 1. Manual und Pedal heute eine Rarität.

Orgelklang

Matthias Thömmes spielt an der Orgel die Toccata "Ein Haus voll Glorie schauet".